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Dienstag, 2. Januar 2018

40 Jahre Cobra - Österreichs polizeiliche Spezialeinheit mit Biss

Wiener Neustadt (ww) Das Einsatzkommando Cobra feiert sein 40jähriges Bestehen! Am 1. Januar 1978 stellte das österreichische Bundesministerium für Inneres (BM.I) das Gendarmeriereinsatzkommando (GEK) Cobra offiziell auf. Das heutige Einsatzkommando Cobra/Direktion Spezialeinheiten (EKO Cobra/DSE)  gehört ohne Zweifel zu den schlagkräftigsten polizeilichen Spezialverbänden weltweit.
Das heutige Logo des EKO Cobra (Quelle: BM.I)


Die Wurzeln des Verbandes reichen sogar noch weiter zurück - und zwar auf das am 1. Mai 1973 gebildete Gendarmeriekommando Bad Vöslau. Aus dieser Zeit stammt auch der heutige Name "Cobra". 
Einsatzkräfte des EKO Cobra in aktueller Adjustierung während einer Übung. (Foto: BM.I)
So hatte die Wiener „Kronen-Zeitung“ am 6. Juni 1973 über jenen Verband unter der Schlagzeile „Mit Aktion Kobra gegen den Terror“ berichtet. "Aktion Kobra" leitete sich wiederum von der in den 1970ern populären Fernsehserie „Kobra, übernehmen Sie“ (Originaltitel: „Mission impossible“) ab.  
Das GK Bad Vöslau hatte den Auftrag, aus der Sowjetunion über das damalige Transitland Österreich nach Israel auswandernde Menschen jüdischen Glaubens vor Angriffen palästinensischer Terroristen schützen.
Kräfte des GK Bad Vöslau beim Training. (Foto: BM.I)
Von einer richtigen Antiterroreinheit konnte dabei freilich noch keine Rede sein. Mehr noch: So ein Verband wurde seinerzeit durch die Politik sogar als nicht notwendig angesehen. Zwar wuchs das GK Bad Vöslau ab 1974 zum "Gendarmeriebegleitkommando Wien" auf, aber wesentliche Aufgabe blieben die Absicherung der Emigrantentransporte sowie anlassbezogen Sicherungsaufgaben auf dem Flughafen Schwechat (später von einer eigenen Spezialeinheit "Kranich" übernommen). Als die österreichische Regierung im Laufe der 1970er Jahre erkannte, in bezug auf den internationalen Terrorismus nicht auf einer Insel der Glückseeligen zu leben, vollzog man eine sicherheitspolitische Kehrtwende und fasste den Entschluss zur Installation eines Spezialverbandes. Die Cobra-Gründungsgeschichte hat Thomas Rieger lesenswert dargestellt.
Scharfschütze der "Cobra" in Stellung - das Tarnmuster PenCott GreenZone wirkt ausgezeichnet. (Foto: BM.I)
Zwei wesentliche Einschnitte für die „Cobra“ erfolgten in diesem Jahrhundert. So verschmolzen in einer Polizeireform 2002 die beiden Wachkörper Polizei und Gendarmerie zur Polizei. Damit einher ging auch eine Zusammenlegung der bis dahin in Österreich bestehenden 23 polizeilichen Spezialeinheiten: das GEK Cobra, die Mobilen Sondereinsatzkommandos der Bundespolizeidirektionen (MEK), die Sondereinsatzgruppen des Landesgendarmeriekommandos (SEG) und die Einsatzeinheiten der Gendarmerie (EE) fusionierten zum Einsatzkommando Cobra.
Neben der Cobra (hinten) gehört die Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) zu den weltberühmten Polizei-Spezialeinheiten aus Österreich. Die WEGA ist die älteste polizeiliche Spezialeinheit Österreichs und untersteht direkt der Landespolizeidirektion Wien. (Foto: BM.I)


2013 gab es eine weitere umfassende Organisationsreform. Seither sind die bis dahin unabhängig voneinander organisierten Spezialverwendungen des BM.I unter der Bezeichnung  „Einsatzkommando Cobra/Direktion für Spezialeinheiten“ (EKO Cobra/DSE) vereint. Neben dem EKO Cobra zählen hierzu vor allem der Entschärfungsdienst (ESD) die Observationskräfte und das Operative Zentrum Ausgleichsmaßnahmen (O-AGM; auf Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und illegaler Migration spezialisiert) Hintergrund:
„Das EKO Cobra/DSE bündelt somit mehrere Kompetenzen und ermöglicht eine optimierte Nutzung operativer Ressourcen der kriminalpolizeilichen Observation des Bundeskriminalamts, der staatspolizeilichen Observation des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, des Entschärfungsdienstes und des Einsatzkommando Cobra. Darüber hinaus werden die dienstrechtlichen und administrativen Belange des Operativen Zentrums  Ausgleichsmaßnahmen (O-AGM) übernommen.“ (Zitat BM.I)

Das heutige EKO Cobra/DSE gliedert sich in ein Referat für Stabsangelegenheiten sowie in drei Abteilungen. Die Abteilung 1 ist für Budget-, Organisations- und Ressourcenangelegenheiten zuständig. Die Abteilung 2 vereint die 2013 neu übernommenen Spezialeinheiten und ist für die Ausbildung (sowohl des EKO Cobra, als auch der Spezialeinheiten) und die technische Unterstützung der Einsatzkräfte verantwortlich.
Fallschirmspringer mit Flagge des Tätigkeitsabzeichens bei einem Demonstrationssprung (Foto: BM.I)

Der operative Teil der EKO Cobra befindet sich organisatorisch in der Abteilung 3.


Zu den Aufgaben gehören unter anderem:
Planung, Vorbereitung und Durchführung von operativen Einsätzen zur Bekämpfung von terroristischen Organisationen und Bewältigung von terroristischen Bedrohungslagen; Planung, Vorbereitung und Durchführung von sicherheits- und kriminalpolizeilichen Einsätzen, wenn auf Grund ihrer Eigenart im Zusammenhang mit Täterverhalten oder Tatmittel der Einsatz besonders ausgebildeter und ausgerüsteter Spezialkräfte im Verband erforderlich ist und/oder nach dem Wesen und Art der Amtshandlung Fähigkeiten, Kenntnisse oder Ausrüstung erforderlich sein könnten, die den örtlichen Kräften nicht zur Verfügung stehen; Sicherstellung des vorbeugenden Schutzes gemäß § 22 Abs. 1, Z 2 und 3 SPG [österreichisches Sicherheitspolizeigesetz; JPW] bei erhöhter Gefährdungslage; Bewältigung von Sonderlagen im Ausland sofern österreichische Staatsangehörige betroffen sind; Abschiebungen auf dem Luftweg. (Zitat BM.I)


Das EKO Cobra verfügt über fünf Standorte: Wiener Neustadt, Wien, Graz, Linz und Innsbruck. Dazu kommen die – verwaltungstechnisch an Graz, Linz und Innsbruck angebundenen – operativen Außenstellen in den Bundesländern Kärnten, Salzburg und Vorarlberg.
„Somit ist jedenfalls sichergestellt, dass das gesamte Bundesgebiet innerhalb von 70 Minuten von Kräften der Cobra erreicht werden kann. Diese Zeitspanne stellt im internationalen Vergleich einen absoluten Spitzenwert an schneller Verfügbarkeit von Sondereinsatzkräften dar.“ (Zitat BM.I)
Auf jedem Standort des EKO Cobra wiederum gliedert sich die Einsatzabteilung in vier Einsatzmodule, an den operativen Außenstellen in zwei Einsatzmodule.
Standorte des EKO Cobra (Quelle: BM.I)

Die aktuelle Einsatzstatistik für 2016: Unter anderem 1028 operative Täterlagen, 2050 Personenschutzdienste und mehrere tausend Flugsicherungen. Insgesamt wurden von den Einsatzkräften der „Cobra“ mehrere Tausend Anforderungen und Routinedienste bearbeitet und durchgeführt.
Der S&T-Blog gratuliert der „Cobra“ ganz herzlich zum Jubiläum und wünscht viel Erfolg, Fortune und immer eine gesunde Rückkehr aus den Einsätzen!
www.bmi.gv.at

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